Hormonersatztherapie und Anti-Aging-Hormonersatztherapie

Durch die stark gestiegene Lebenserwartung der Frau hat die Hormonarmut ab den Wechseljahren eine große Bedeutung für die oft eingeschränkte Lebensqualität oder durch Hormonmangel bedingte Krankheiten. Hier besteht ein großer Beratungsbedarf über den Sinn oder die in letzter Zeit herausgestellten Gefahren der Hormonersatztherapie (HET). Die Stoffwechselfunktionen von sehr vielen Organsystemen der Frauen sind abhängig von weiblichen Sexualhormonen, ohne die es zum vorzeitigen Altersabbau und Funktionseinschränkungen kommt. Betroffen sind besonders die vegetativen Funktionen, die die klimakterischen Beschwerden verursachen, die Knochen, die Gelenke, Schleimhäute, Blutgefäße, der Herzmuskel und das Gehirn.

Die Risiken, die in jüngster Zeit durch die Medien in den Vordergrund gestellt werden, sind im Vergleich zu dem Nutzen deutlich geringer. Aus den in den Medien zitierten beiden amerikanischen Studien (Hers 1998 und WHI 2002) kann man im Wesentlichen nur ableiten, dass man 70- bzw. 63 jährigen Amerikanerinnen, die nie Hormone genommen haben, eine schwere Herz- Kreislauferkrankung haben und z.T. schon einen Herzinfarkt bekommen haben, equine (vom Pferd) Östrogene kombiniert mit Medroxi- Progesteron (Gestagen) nicht geben sollte. Im ersten halben Jahr der Anwendung stieg die Komplikationsrate etwas an, ab 2 Jahren hatten auch diese Frauen deutliche Vorteile unter HET gegenüber denen, die keine HET nutzten. Ein zusätzliche Komplikation unter HET bekommt etwa eine von tausend Frauen, vorzugsweise im ersten Halbjahr der Anwendung bei vorbestehenden Gefäßrisiken.

Beim Brustkrebs unter HET scheint es sich so zu verhalten, dass unter HET der Brustkrebs etwas schneller wächst, aber gutartiger ist. Das führt dazu, dass bei den Frauen, die Hormone anwenden, der Brustkrebs einige Prozent häufiger festgestellt wird (frühere Diagnosestellung) aber die Sterberate an Brustkrebs einheitlich in der Weltliteratur um 20 bis 30 % niedriger ist. Die Hormone führen offensichtlich zu einer Vorverschiebung des Diagnosezeitpunktes und Verminderung der Sterbewahrscheinlichkeit. Andere Krebsarten entstehen unter HET sogar seltener, besonders der Dickdarmkrebs, der unter HET in 30- 40% seltener auftritt. Wir beraten Sie gerne über die individuell zu entscheidende Frage, ob Hormonersatz angezeigt ist, und in welcher Applikationsform (Tabletten, Pflaster, Gel, Spray, Spritzen).